Priorität auf Konsens und Vielfalt: Juso Baselland fordert ganzheitliche und schamfreie Sexualkunde für alle
Für den Kanton Baselland sind die Erziehungsberechtigten für die Aufklärung verantwortlich. Dennoch hat auch die Schule den Bildungsauftrag, Unterricht in Sexualkunde zu geben. An dessen Umsetzung hapere es jedoch gemäss Juso. Eine Initiative soll helfen.
Jugendliche sollen sich trauen, offen zu sprechen
Die Initiative fordert, dass der Sexualkundeunterricht an den Baselbieter Sekundarschulen künftig von geschultem, aussenstehendem Fachpersonal durchgeführt wird. Besonders wichtig sei, dass diese Personen die Klasse sonst nicht unterrichten, sagt Janine Oberli, Co-Präsidentin der Juso Baselland. Denn wenn die zuständige Lehrperson die Kinder auch bewerte, erschaffe dies eine Hierarchie. «Die Schülerinnen und Schüler trauen sich dadurch oft nicht, ohne Scham Fragen zu stellen oder ihre Erfahrungen offen zu teilen.»
Stand heute bleibt es den Schulen selbst überlassen, ob sie externes Personal hinzuziehen oder nicht. In der Westschweiz wird dieses Modell bereits seit mehreren Jahren umgesetzt, weiss Oberli. In der Antwort zur Interpellation «Sexualaufklärung» von Miriam Locher (SP) vom vergangenen Dezember äusserte der Regierungsrat bereits, dass es aktuell nicht geplant sei, das Westschweizer Modell zu übernehmen.
Aus Sicht der Juso würde sich dies jedoch lohnen. Zudem stünde bei der Sexualkunde gegenwärtig vor allem die Biologie stark im Zentrum. «Der Unterricht ist patriarchal geprägt», sagt Oberli. In ihrem Initiativtext nennt die Jungpartei Punkte, die sicher im Unterricht abgedeckt werden sollen. Neben Wissen zu Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaftsabbrüchen auch: Konsens.
Weniger Gewalt und mehr Vielfalt
«Seit 2013 zeigt sich die Tendenz der Fälle sexualisierter Gewalt steigend», stellt Janine Oberli fest. Mit einem breit gefächerten Sexualkundeunterricht könne Präventionsarbeit geleistet werden. «Jugendliche müssen lernen, Grenzen zu kommunizieren und zu respektieren, damit ein achtsamer und gewaltfreier Umgang entsteht.» Daher soll Konsens als Priorität in der Sexualität vermittelt werden und wie man diesen lebt. Das habe Einfluss auf spätere Beziehungen.
Für die Co-Präsidentin ist klar: «Bildung trägt längerfristig dazu bei, wie die Gesellschaft denkt.» Die psychische Gesundheit queerer Jugendlicher sei schlechter als die von nicht queeren Personen. Das Wissen und die Akzeptanz geschlechtlicher, sexueller und romantischer Vielfalt müsse daher ebenfalls gefördert werden. «Unser Ziel ist, die Toleranz zu stärken und somit der Stigmatisierung und Diskriminierung entgegenzuwirken.»
Grundlagen sind da – es scheitert an der Umsetzung
Über 12 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Basel-Stadt gaben im Rahmen des Jugendgesundheitsberichts 2022 an, keinen Sexualkundeunterricht gehabt zu haben. Oberli vermutet: «Das wird im Baselbiet nicht anders sein.» Die Statistik von 2022 zeigte auch, dass vor allem Mädchen mehr zu Schwangerschaftsabbrüchen, dem weiblichen Zyklus und der sexuellen Gewalt wissen wollten.
«Wir wollen den Lehrplan nicht ändern», betont Oberli. Ein Grossteil ihrer Schwerpunkte sei darin nämlich bereits verankert. Das bestätigt der Kanton auf Anfrage. Die Anliegen der Juso seien bereits heute in verschiedenen Fachbereichen angesiedelt. Dazu gehörten unter anderem folgende Thematiken: Gestaltung von Beziehungen, das Wissen über die eigenen Rechte im Umgang mit Sexualität und die Reflexion von Geschlecht, Rollen und Faktoren, welche Diskriminierung und Übergriffe begünstigen.
«Es ist die Umsetzung, an der es hapert.»
Auszug aus BZ-Presseartikel vom 28.03.2025